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„Die Falschaussagen der Leute machen mich wütend“: Malte (23) klärt auf Instagram über Landwirtschaft auf

„Die Falschaussagen der Leute machen mich wütend“: Malte (23) klärt auf Instagram über Landwirtschaft auf
Foto: Malte Messerschmidt

Malte Messerschmidt ist 23 Jahre alt und führt einen Ackerbaubetrieb in fünfter Generation. Auf Instagram klärt er als @bauern_bengel über die Landwirtschaft auf und möchte damit das Image der Landwirte verbessern.


Früh aufstehen, harte körperliche Arbeit und Sorgen um die Ernte: Der Beruf des Landwirts bringt viele Herausforderungen mit sich. Doch Malte Messerschmidt aus Eimen im Landkreis Holzminden hat darin seinen Traumjob gefunden. Auf Instagram gibt er seine Begeisterung an seine Follower weiter. Auf „bauern_bengel“ berichtet der 23-Jährige von seinem Alltag. Neben täglichen Storys von seinem Hof postet er dort auch regelmäßig Beiträge rund um Ernte, Pflanzenschutz und mehr – teilweise auch als minutenlange Erklärvideos. Aktuell folgen ihm rund 12.700 Menschen. Damit hat er auch die Aufmerksamkeit einiger Medien erregt und unter anderem mit Jenke von Wilmsdorff von ProSieben über Pflanzenschutz diskutiert.

Ist jeden Tag auf den Feldern unterwegs: Junglandwirt Malte Messerschmidt. Foto: Malte Messerschmidt

„Ich möchte jedem Verbraucher verständlich machen, wie die Landwirtschaft funktioniert. Ich will erklären, was uns antreibt und aus welchem Grund wir welche Maßnahmen ergreifen, um das Image der Landwirtschaft wieder ins richtige Licht zu rücken“, sagt Malte. Es habe ihn schon immer gestört, dass andauernd schlecht über die Landwirtschaft geredet wird. „Wir achten sehr auf Umwelt- und Naturschutz, wir zerstören nicht die Umwelt“, meint er. „Das kann mir niemand erzählen, der wirklich mal auf unseren Flächen war. Nicht alles, was behauptet wird, ist wahr. Doch diese falschen Behauptungen, die oft nur durch Halbwissen entstehen, bedeuten für uns immer wieder einen Imageschaden und das macht mich wütend.“

Aufwachsen auf dem elterlichen Hof

Die für ihn einfachste Möglichkeit, die Menschen aufzuklären, sei dann Instagram gewesen. „Ich kann Leute jeden Geschlechts und Alters sehr schnell erreichen. Egal ob sie auf dem Sofa sitzen oder in einem Strandkorb liegen.“ Wenn es um Landwirtschaft geht, weiß Malte genau, wovon er redet. Denn der Student ist auf dem Hof seiner Eltern aufgewachsen und betreibt diesen zusammen mit seinem Vater in fünfter Generation – mit gerade einmal 23 Jahren. Doch für Malte stand schon immer fest: „Ich möchte Landwirt werden. Das ist mein Traumberuf“. Neben der Planung, dem Management, dem Pflanzenschutz und der Düngung ist der Junglandwirt noch für viele weitere Aufgaben, die auf dem Ackerbaubetrieb anfallen, zuständig und betreibt ihn fast alleine. Lediglich die Buchhaltung übernimmt noch sein Vater.

„Landwirtschaft ist meine Leidenschaft

„Schon an meinem ersten Schultag habe ich zum Rektor gesagt, dass ich die Schule nicht brauche und zurück auf den Hof möchte, um Landwirt zu werden“, gibt Malte grinsend zu. Schon mit 15 Jahren hat er am Lehrgang „Pflanzenschutz-Sachkunde“ teilgenommen, den man normalerweise erst in der Ausbildung oder im Studium absolviert. Damit war er einer der jüngsten Teilnehmer aus ganz Niedersachsen. Direkt nach der Schule schloss er eine Ausbildung zum Landwirt ab und studiert seitdem Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Agribusiness an der Universität in Göttingen. Künftig wird er den landwirtschaftlichen Familienbetrieb komplett leiten.

Wie belastend ist intensive Landwirtschaft für die Umwelt?

Dank moderner Maschinen, Fahrzeugen und Düngemitteln können landwirtschaftliche Betriebe heute mit geringerem Personaleinsatz immer mehr Lebensmittel herstellen. Diese sogenannte Intensivierung der Landwirtschaft hat allerdings negative Folgen für die Umwelt. So belaste der massenhafte Einsatz von Stickstoffdünger das Grundwasser und reichere Gewässer zu stark mit Nährstoffen an, wie das Umweltbundesamt kritisiert. Neben den für Tiere bisweilen giftigen Pflanzenschutzmitteln bedrohe auch die Umnutzung von Landflächen die Artenvielfalt. Wird aus einer Wiese, einem Wald oder einem Moor eine landwirtschaftliche Nutzfläche, geht Lebensraum für allerlei Tierarten verloren. Außerdem ist die Landwirtschaft insbesondere mit der Tierhaltung wesentlich an den Treibhausgasemissionen Deutschlands beteiligt.

Ein UN-Bericht aus dem vergangenen Jahr führt viele Probleme der konventionellen Landwirtschaft auf eine dysfunktionale Subventionspolitik zurück. Eine Forderung des Berichtes ist deswegen, die Strukturen der Landwirtschaftsförderung grundlegend zu reformieren.


„Meine Eltern haben mir immer die Wahl gelassen, etwas anderes zu machen. Aber mir war klar, dass ich den Hof eines Tages übernehmen werde. Landwirtschaft ist meine Leidenschaft und es macht mich stolz“, sagt er. „Kein Tag ist wie der andere und mir macht es Spaß, mit Mutter Natur zu arbeiten.“ Auch wenn Letzteres nicht immer einfach sei. „Das Wetter stellt uns Landwirte täglich vor Herausforderungen und man kann nichts wirklich vorausplanen. Wegen der Trockenheit stellen wir uns momentan zum Beispiel die Frage, wie wir Wasser sparen können.“

Herausforderungen prägen den Alltag

Doch noch weitere Herausforderungen beschäftigen den Junglandwirt. Jedes Jahr würden beispielsweise die Kosten für die Maschinen, die Pacht und vieles mehr anfallen. Allerdings wisse man nie, wie hoch die Erträge letztendlich seien. „In einem schlechten Erntejahr muss man dann mit weniger Geld trotz gleichbleibender Kosten rechnen“, sagt Malte. Dafür müsse man Fingerspitzengefühl entwickeln.

Daneben setzt er sich gern neue Ziele. Im vergangenen und auch in diesem Jahr baut der 23-Jährige Chiasamen der Sorte „Juana“ an, die die erste in Deutschland zugelassene Züchtung sind. Gerade diese Kultur reagiert relativ empfindlich auf Witterungsverhältnisse. Das führt zu Ertragsschwankungen. Daneben versucht Malte täglich den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter zu reduzieren. „Ich will das, was ich mache, immer weiter verbessern und andere darüber aufklären“, sagt er.

Politisch aktiv, um etwas zu bewegen

Zeitgleich ist Malte auch politisch aktiv. In diesem Jahr wurde er mit den drittmeisten Stimmen in den Eimer Gemeinderat gewählt. Außerdem ist er Mitglied bei der FDP. „Wenn man heutzutage etwas bewegen will, muss man in die Politik gehen, weil diese alles steuert und reguliert. Hier kann ich meine Ideen einbringen“, sagt Malte. Die Farbe der Partei spiele für ihn allerdings keine Rolle, meint er. „Mir ist nur wichtig, dass die Inhalte stimmen und dass gemeinsam etwas bewegt wird.“

Zum Teil erschüttere es ihn sehr, wie in der Politik mit der Landwirtschaft umgegangen werde. Wenn es um das Thema geht, wählt Malte drastische Worte: „Deutschland ist schon lange kein Vorreiter mehr, und ich zweifle an der Intelligenz mancher Menschen. Wir müssen langsam den richtigen Weg einschlagen, ansonsten wird es für uns Landwirte in Zukunft schwierig.“

Von Josefine Battermann


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