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Der Fall Vinicius Jr.: Menschenwürde ist bedingungslos

Der Fall Vinicius Jr.: Menschenwürde ist bedingungslos
Foto: AP Photo/Oscar J. Barroso

Der brasilianische Fußballprofi Vinicius Jr. wird seit Jahren immer wieder rassistisch beleidigt. In sozialen Medien wird dem 23-Jährigen vorgeworfen, er sei mit seinen polarisierenden Auftritten teilweise selbst Schuld daran. Warum das keine Rechtfertigung sein darf, kommentiert MADS-Autor Tim.


Affenlaute, hämische Gesänge und Provokationen: All das muss der brasilianische Fußballer Vinicius Jr. immer wieder über sich ergehen lassen – und das bereits seit Jahren. In den Kommentaren unter seinen Instagram-Beiträgen häufen sich Affen- und Bananen-Emojis. Auf einer Pressekonferenz vor einem Freundschaftsspiel gegen Spanien wird der 23-Jährige auf die rassistischen Anfeindungen angesprochen und bricht bei seiner Antwort in Tränen aus. Er habe oft darüber nachgedacht, seinen Verein Real Madrid aufgrund der Beleidigungen, die er regelmäßig in Spanien erlebt, verlassen zu wollen – entschied sich jedoch dafür zu bleiben. „Denn wenn ich gehe, gebe ich all den Rassisten das, was sie wollen“, sagte er.

Viele größere Accounts in sozialen Netzwerken machen schon seit geraumer Zeit auf das Problem aufmerksam. Der Brasilianer erhält von großen Teilen der Fußballwelt Zuspruch und Unterstützung, doch in Kommentaren zum Thema tummeln sich Personen, die Vinicius Jr. mindestens eine Teilschuld an den Vorfällen geben: Er würde mit seiner polarisierenden Spielweise und seinen Wutausbrüchen ja auch selber Schuld sein. Dazu posten immer mehr Seiten Ausschnitte aus Spielen von Vinicius Jr., in denen er über die Stränge schlägt.

Rassismus ist nicht zu rechtfertigen

Viele Fans scheinen genervt von dem Verhalten des Brasilianers auf dem Platz zu sein, was durchaus verständlich ist. Das rechtfertigt jedoch in keinem Fall die rassistischen Anfeindungen gegen ihn – die beiden Situationen sind klar voneinander zu trennen. Denn: Die Menschenwürde ist nicht an Bedingungen geknüpft, sondern ein Grundrecht. Den Fußballer für bestimmte Verhaltensweisen zu kritisieren ist okay, ihn zu diskriminieren nicht. Das scheinen viele Fußballfans jedoch nicht zu verstehen. Außerdem ist es nicht verwunderlich, wenn ein junger Mann, der seit Jahren in nahezu jedem Stadion rassistisch beleidigt wird, ab und zu die Fassung verliert.

Fall Vinicius Jr. zeigt Doppelmoral vieler Fans

Zudem zeigt der Fall Vinicius Jr. eine klare Doppelmoral. Weiße Fußballprofis wie Zlatan Ibrahimovic und Pepe werden für ähnliches provokantes Verhalten sogar noch gefeiert. „Das sind halt noch echte Charaktere mit Persönlichkeit“ und „Gehört halt zum Fußball dazu“ hieß es häufig zu deren Verteidigung. Anscheinend zählen diese Argumente nur bei weißen Fußballern.


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