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Corona: Was tun, wenn die Freunde plötzlich Verschwörungstheorien verbreiten?

Corona: Was tun, wenn die Freunde plötzlich Verschwörungstheorien verbreiten?
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Verschwörungstheorien sind zur Zeit ein großes Thema. Dass man im Internet auf komische Nachrichten trifft, ist nicht neu. Aber was mache ich denn, wenn plötzlich meine Eltern oder meine Freunde an Verschwörungstheorien glauben und Fake News teilen? Giulia Silberberger erklärt, wie du dir Hilfe holen mit du mit deinen Freunden Gespräche führen kannst.


Klar, einige Verschwörungstheorien wirken direkt komisch, andere klingen vielleicht erst sogar ganz normal. Aber was kannst du eigentlich machen, wenn deine Freunde oder auch deine Familie plötzlich Verschwörungstheorien teilen?

Verschwörungstheorien: W-Fragen stellen und nicht beschuldigen

„Ganz wichtig ist es, besonnen zu bleiben und nicht gleich mit Beschuldigungen wie „Du Aluhut“ um sich zu werfen“, sagt Giulia Silberberger. Sie ist 2007 aus einer Sekte ausgestiegen und gründete 2014 den „Goldenen Aluhut“. Solche Reaktionen würden die Personen nur in die Arme derjenigen jagen, die sie schon sehnsüchtig erwarten. Wenn der Freund oder das Familienmitglied nur einer Fake News aufgesessen sei, sei die Person für ​Gegenargumente ​empfänglich. „Hier hilft ein Quellencheck, gerne gemeinsam“, sagt Silberberger. Was ist das für eine Meldung? Wo kommt sie her, wer hat sie geteilt? „So kann man den Fake dann gemeinsam debunken, also widerlegen“, erklärt sie. Wenn jemand schon etwas tiefer drinstecke, werde es allerdings  schwieriger, „da sie ihr verschwörungsideologisches Weltbild vermutlich verteidigen, wie ein Gläubiger seinen Gott“. Man dürfe aber ruhig fragen, warum derjenige das glaube. „Stellt W-Fragen. Wieso denkst du das? Welche Belege hast du dafür? Wieso ergibt das für dich Sinn? Sehr oft steht ein tieferes Bedürfnis hinter dem Verschwörungsglauben, eine Emotion, eine Sorge oder eine schlimme Erfahrung“, sagt die Expertin.

Wer schon einmal Opfer von Verfolgung, Gewalt oder einer behördlichen Willkür geworden sei, hänge eher Theorien an, die vermeintliche Begründungen liefern, warum dieses oder jenes passiert ist. Dazu gehörten auch Theorien aus dem verfassungsfeindlichen Spektrum. „Sie wollen doch nur, dass du klein gehalten wirst und mit deiner kleinen Firma keinen Erfolg hast, dass du besser zu kontrollieren bist“ oder „Natürlich kommst du nicht voran, der Deutsche ist der Dumme, der Ausländer bekommt alles“ seien beispielsweise solche Theorien. „Wer an einer schweren Krankheit leidet und sich im Internet auf die Suche nach möglichen Heilmethoden begibt, trifft dort mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die Szene der Quacksalber“, sagt Silberberger. Diese Menschen würden versuchen, mit den Verzweifelten Geld zu verdienen, aber auch ein breites Sammelsurium von Verschwörungstheorien anbieten –zum Beispiel, dass Pharmakonzerne von der jüdischen Hochfinanz kontrolliert werden würden und Medikamente nicht heilen sondern töten sollen.

Giulia Silberberger: „Sagen, dass man das für Unsinn hält“

„Solche Behauptungen sollte man nicht unwidersprochen stehen lassen und zumindest sagen, dass man das für Unsinn hält“, sagt Giulia Silberberger. Aber natürlich sei man nicht verpflichtet, ein Streitgespräch mit der betreffenden Person auch zu Ende zu führen.“Wenn man merkt, man kommt nicht weiter oder es endet nur im Streit, ist es besser, das Thema erstmal fallen zu lassen“, sagt sie. 

Für den Umgang mit Familienmitgliedern, die man nicht einfach links liegen lassen kann, gebe es inzwischen Hilfe im Netz und bei lokalen Beratungsstellen. „Es ist ganz wichtig, sich in dieser Situation Support zu holen, um zu lernen, wie man sich emotional aus der Situation abgrenzen kann. Wir helfen auch gerne bei der Suche einer geeigneten Stelle in der Nähe“, sagt Silberberger.

Von Tomma Petersen


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