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Corona-Logbuch: „Alleine mit meinen Grübeleien“

Corona-Logbuch: „Alleine mit meinen Grübeleien“
Foto: privat

Der Verzicht auf Sozialkontakte kann eine Herausforderung sein – besonders für Menschen, die alleine wohnen. So erlebt MADS-Autorin Nina (23) die Zeit alleine in ihrer Wohnung.


Ein Badezimmer nur für mich, eine Küche, in der sich die Teller auch mal ein paar Tage stapeln können und jede Menge Ruhe: Als ich vor knapp zwei Jahren das behütete Heim meiner Eltern verließ, war mir schnell klar, dass ich alleine wohnen möchte. Als Einzelkind geschiedener Eltern, die viel arbeiten, war ich das Alleinsein bereits gewohnt. Ein Problem war das für mich nie. Ganz im Gegenteil. Ich wusste mich immer gut alleine zu beschäftigen und fand übermäßig viel Sozialkontakt eher anstrengend. Nun wird meine Liebe für das Alleinsein allerdings auf die Probe gestellt – durch die Coronakrise.

Zu Hause wegen Corona: „Alleinsein ist nicht immer leicht“

Keine Frage: Die Maßnahmen, um das Virus einzudämmen, halte ich für sehr sinnvoll. Dennoch habe ich nun erstmals die Schattenseite kennengelernt, die das Alleinewohnen mit sich bringt. Während ich mich sonst etwa jeden zweiten Tag mit Freunden treffe, tagsüber zur Uni oder zur Arbeit gehe, bleibe ich nun zu Hause – alleine. Seit einer Woche habe ich nun niemanden mehr getroffen. Meine Eltern zählen leider beide zur Risikogruppe. Anders als viele meiner Freunde bin ich deshalb nicht während der Quarantäne zu ihnen gefahren. Und nicht nur ich bin während dieser Zeit auf mich alleine gestellt. 41,9 Prozent der Privathaushalte umfassen in Deutschland eine Haushaltsgröße von einer Person – so das Ergebnis einer 2018 erhobenen Statistik des Statistischen Bundesamtes. Einige von den alleinelebenden Personen mögen in dieser Zeit zu ihrem Partner oder ihrer Partnerin gezogen sein – oder eben zu ihrer Familie. Dennoch müssen sich gerade viele Menschen mit dem Alleinsein arrangieren. Und das ist nicht immer leicht.

Alleine zu sein bedeutet, viel Zeit zum Nachdenken zu haben. Natürlich mache ich mir Sorgen um meine Eltern und darum, dass sie sich trotz aller Achtsamkeit anstecken könnten. Zu den nervigen Grübeleien kommt dann noch die fehlende Alltagsstruktur hinzu. Zwar schreibe ich derzeit eine Hausarbeit für die Uni, doch das füllt noch lange keinen Tag aus. Noch lässt sich die Zeit ohne einen Kontakt, der über das Skypen oder schreiben per WhatsApp hinausgeht, aushalten. Doch wie sich mein Gemütszustand nach einer weiteren Woche Isolation entwickelt, weiß ich nicht.

Alleine in Wohnung: Psychische Gesundheit leidet

Natürlich ist mir bewusst, dass das Meckern über Langeweile und das Vermissen der Freunde und Familie ein Privileg ist. Viele Betroffene des Virus und Angehörige haben nun mit gänzlich anderen Ängsten zu kämpfen. Dennoch muss auch ich mich mit meiner psychischen Gesundheit auseinandersetzen, denn gerade die kann unter der Quarantäne leiden. Um mich nicht übermäßig in Grübeleien zu verstricken, habe ich mir deshalb einen Tagesplan erstellt. Und nein, der ist nicht so ambitioniert wie die Power-Pläne einiger Influencer. Grob zusammengefasst, sieht mein Plan etwa so aus: Gegen halb zehn stelle ich mir nun einen Wecker, räume das Chaos des vergangenen Tages auf (Die Quarantäne führt mir leider auch vor Augen, wie furchtbar unordentlich ich bin), und gehe eine Runde alleine joggen oder Fahrrad fahren. Danach koche ich und setze mich anschließend an meine Hausarbeiten für die Uni. Abends telefoniere oder skype ich dann mit meiner Familie oder mit Freunden.

Dank meiner neuen Routine ist die Stille in meiner Wohnung erträglicher geworden. Ich hoffe, diese Strategie überbrückt auch noch die kommende Zeit, die ich alleine verbringen werde. Denn klar ist: Die Herausforderungen der Coronakrise werden nicht innerhalb weniger Wochen gemeistert sein – Solidarität und Rücksichtnahme sind in diesem Fall eben ein Langzeitprojekt.

Von Nina Hoffmann


Über den Autor/die Autorin:

Nina Hoffmann

Nina (24) studiert Soziologie und kennt somit alle Sprüche über eine Karriere als Taxifahrerin. Statt an ihren Fahrkünsten zu feilen, liest sie lieber Texte über Gender-Fragen und Emanzipation - oder noch besser: Die dazugehörigen Kommentare der Facebook-Nutzer/innen.

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