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Berufswahl: Sieben Dinge, die ich gern vor dem Studium gewusst hätte

Berufswahl: Sieben Dinge, die ich gern vor dem Studium gewusst hätte
Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Welches Studium ist das richtige – und was kommt eigentlich danach? Die Frage, wie es nach dem Abitur weitergehen soll, ist für viele nicht einfach zu beantworten. Das ging auch MADS-Autorin Thea so. Doch rückblickblickend sagt sie: Die Berufswahl ist gar nicht so kompliziert, wie sie damals erschien.


Als ich mein Abiturzeugnis in den Händen hielt, fühlte ich zwei Dinge. Ich war stolz, weil ich den Schulabschluss geschafft hatte. Und ich hatte Respekt vor der anstehenden Berufswahl. Schließlich war es das erste Mal seit Langem, dass ich nicht einfach nach den Sommerferien die nächst höhere Klasse besuchen würde.

Das ist jetzt zehn Jahre her. Damals las ich in Ratgebern nach, nahm Berufsberatungen in Anspruch und hatte das Gefühl, dass mir schon etwas einfallen würde, wenn ich nur lange genug drüber nachdenken würde. Ich wusste, dass ich studieren wollte. Und „irgendetwas mit Sprachen“ sollte es sein. Aber die Frage, was ich damit später einmal machen könnte, ging mir einfach nicht aus dem Kopf. Journalismus interessierte mich, aber dafür kann man im Prinzip alles studieren. So studierte ich Spanisch und Englisch auf Lehramt – und begann dann, als Journalistin zu arbeiten. Und das sind die Dinge, die ich damals gerne schon gewusst hätte:

1. Studium: Was trocken klingt, muss nicht trocken sein

„Mit einem abgeschlossenen Sprachenstudium können Sie in einer Bibliothek arbeiten.“ Geht es nur mir so, oder ruft „in einer Bibliothek arbeiten“ direkt ein sehr staubiges Bild hervor? Ich sehe den dunklen Keller meiner Uni-Bibliothek förmlich noch vor mir. Damals dachte ich: Bibliothek? Niemals! Ob das was für mich wäre, weiß ich immer noch nicht. Aber immerhin bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass man in einer Bibliothek viel mehr macht, als staubige Bücher aus noch staubigeren Ecken hervorzuholen. Man kann zum Beispiel Workshops organisieren. Oder bei der Literaturrecherche helfen. Bei manchen Jobs lohnt sich also ein Blick hinter die Kulissen.

2. Stellenausschreibungen sind nicht nur für Jobsuchende

Es mag etwas abwegig erscheinen, schon vor dem Studium Stellenausschreibungen für Absolventinnen und Absolventen anzuschauen. Aber: Stellenbeschreibungen können langweilig klingende Berufe lebendig werden lassen. Sie zeigen einem auch, welche Studiengänge zu bestimmten Jobs passen. Ich rate deshalb dazu, schon in den frühen Phasen der Berufswahl einen Blick in Zeitungen und Jobbörsen zu werfen.

Ein Blick in Stellenausschreibung kann auch bei der Berufswahl helfen. Foto: Daniel Karmann/dpa

3. Praxis, Praxis, Praxis

Dass Praktika wichtig sind, hört man immer wieder. Und trotzdem schreibe ich es noch einmal. Denn Praktika sind wirklich wichtig. Ein Beispiel: Viele Journalistinnen und Journalisten studieren Germanistik. Während man im Germanistikstudium manchmal 30 Seiten über eine Figur aus einem Roman schreibt, muss man bei der Zeitung komplexe Themen meist sehr knapp darstellen. Im Job sind also ganz andere Dinge wichtig als im Studium. Ein weiteres Beispiel: Studierende der Medizin müssen im Studium vor allem viel auswendig lernen. Im Berufsalltag führen Ärztinnen und Ärzte hingegen Patientengespräche, verordnen Medikamente oder operieren eine gebrochene Hand. Nur weil einem das Studium keinen Spaß macht, muss das im Job also nicht auch so sein. Umgekehrt gilt das natürlich genauso.

4. Studium: Lieber kleine Ziele statt kein Ziel

Bei manchen Studiengängen ist klar, wohin sie führen. Wer Medizin studiert, will Ärztin oder Arzt werden, vielleicht auch Forscherin oder Forscher. Gerade in geisteswissenschaftlichen Studiengängen ist das ganz anders. Unter denjenigen, die Sprachen studieren, finden sich vielleicht welche, die als Übersetzer arbeiten. Aber auch welche, die bei Verlagen tätig sind oder als Referentin für einen Verein Tagungen organisieren.

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Ich dachte damals, schon vor dem Studium ein solch konkretes Ziel vor Augen haben zu müssen. Rückblickend sage ich: Das ist doch Quatsch. Stattdessen hätte ich mir auch kleine Zwischenziele setzen können. Zum Beispiel, während des Bachelorstudiums mindestens drei Praktika zu machen. Oder mich mit Menschen auszutauschen, die bereits kurz vor Ende des Studiums stehen und mehr aus der Arbeitswelt berichten können.

5. Richtungswechsel ist im Studium die Regel

Als ich bei der Berufswahl auf der Suche nach einem geeignete Studiengang war, dachte ich, eine sehr große und wichtige Entscheidung zu treffen. Im Studium habe ich dann gemerkt, dass viele meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen noch einmal das Fach gewechselt haben. Manchmal kann man sich sogar bereits absolvierte Prüfungen anrechnen lassen. Und selbst, wenn das nicht geht: Rückblickend sind ein oder zwei Jahre viel weniger Zeit, als man vorher denkt. Ich habe mein Lehramtsstudium übrigens abgeschlossen und dabei natürlich vieles gelernt, was ich in meinem jetzigen Beruf nicht nutze. Trotzdem sehe ich die Zeit nicht als verloren an.

6. Das Problem von Prognosen bei der Berufswahl

„Wenn du das studierst, kannst du dir den Job aussuchen.“ Dieser Satz fällt manchmal in Phasen der Berufsorientierung. Oder einem wird von einem bestimmten Studiengang abgeraten, weil die Berufsperspektiven angeblich so schlecht seien. Das Problem daran: Bis man mit seinem Studium fertig ist, können sich Prognosen auch ändern. Oder neue Tätigkeitsfelder tun sich auf.

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Und: Nur weil wenige Menschen für einen Tätigkeitsbereich gebraucht werden, heißt es noch lange nicht, dass man selbst zu denjenigen gehört, die keinen Job finden. Auch wenn vielleicht nur ganz wenige Pilotinnen gesucht werden – ein paar braucht es eben doch.

7. Viele Träume statt ein Traumjob

Manche wissen es schon im Kindergarten. Sie wollen einmal Lokführerin oder Koch werden. Und 20 Jahre später sind sie Lokführerin oder Koch. Mir ging das nicht so, und vielen anderen auch nicht. Das ist auch nicht schlimm. Es muss nicht den einen Traumjob geben, auf den man jahrelang hinarbeitet. Man kann unterschiedliche Interessen haben – und es ist doch gar nichts Schlimmes daran, wenn der Job nur eine dieser Interessen abdeckt. Manche Menschen machen auch ihr ganzes Leben lang immer mal wieder etwas anderes. Oder sie machen einen Job, der sich immer wieder verändert.

Von Thea Schmidt


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Über den Autor/die Autorin:

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