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Autismus in den Medien: Stereotypisch oder authentisch?

Autismus in den Medien: Stereotypisch oder authentisch?
Foto: Willy Sanjuan/Invision/AP

Autismus ist ein Thema, das in der Unterhaltungsindustrie zunehmend an Bedeutung gewinnt. Filme und Serien wie „Wochenendrebellen“, „The Good Doctor“ oder „The Big Bang Theory“ haben betroffene Figuren geschaffen und in den Mainstream gebracht. Doch wie authentisch ist diese Darstellung wirklich?


Menschen mit Autismus haben eine Störung der Gehirnentwicklung, die sich in verschiedenen Verhaltensweisen bemerkbar macht. Die Auswirkungen kommen sind auch immer öfter Thema in Filmen und Serien. Doch wie gut werden Betroffene wirkliche repräsentiert? Das Autismus-Spektrum ist vielfältig und komplex, da kann es schnell zu vereinfachten Darstellungen in den Medien kommen.

Klischees und Realität: Die Herausforderung der Darstellung

Elvira Muchitsch, Klinische und Gesundheitspsychologin, arbeitet seit Jahren mit Menschen im Autismus-Spektrum. Die Darstellung von Autismus in den Medien bewertet sie kritisch. Sie betont, dass die Vielfalt dieses Spektrums in den Medien oft nicht angemessen reflektiert werde. Die sozialen Herausforderungen und Schwierigkeiten im Alltag blieben oft unberücksichtigt. Die stereotype Darstellung von Autismus in den Medien beeinflusse zudem die öffentliche Wahrnehmung und das Verständnis dieser neurodiversen Gruppe erheblich.

Autismus kann sich auf Probleme im sozialen Bereich und die Kommunikation auswirken, zu sich wiederholenden Verhaltensweisen und einer veränderten Reizverarbeitung führen. Häufig neigten Autoren und Regisseure aber dazu, bestimmte Eigenschaften zu überzeichnen, etwa Verständnisprobleme bei bildhaften Sprichwörtern. Zudem kritisiert die Expertin, dass viele autistische Figuren in Filmen und Serien eine besondere Fähigkeit hätten, die andere Einschränkungen ausgleicht. In der Realität haben aber nicht alle Menschen mit Autismus eine Inselbegabung.

Autismus in Medien: Gute und schlechte Darstellung

Zwar lobt Muchitsch Filme wie „Rain Man“ für ihre Hervorhebung von Einzelbegabungen, sie weist jedoch darauf hin, dass dies nicht das vollständige Bild darstellt. Dagegen zeigt die beliebte Jugendserie „Atypical“ mehr Facetten von Autismus. „Es ist ein breites Feld“, erklärt Muchitsch. „Unsere Betroffenen sagen immer wieder, dass auch die Ausprägungen oder der Schweregrad nicht authentisch sind. Ihnen fehle besonders die Darstellung von Problematiken und kognitiven Einschränkungen, die mit dem Autismus-Spektrum einhergehen.“

Demnach zeigen Film und Fernsehen Autismus nur sehr einseitig – und das führt zu einer verzerrten gesellschaftlichen Wahrnehmung. „Man merkt es an den Reaktionen der Leute“, erklärt sie. „Wenn man die Leute fragt: ‚Was stellen Sie sich unter Autismus vor?‘ Dann nennen viele Leute Filme wie ‚Rain Man‘, und dann sagen die meisten: ‚Das sind die, die Einzelbegabungen oder Einzelfähigkeiten haben.'“ So entstehen falsche Vorstellungen und Vorurteile gegenüber Menschen mit Autismus.

Die Macht der Medien 

Um das Bewusstsein für die individuellen Stärken und Herausforderungen von Menschen im Spektrum zu fördern, plädiert Muchitsch für authentische Darstellungen in den Medien. „Die Medien können auf jeden Fall dazu beitragen“, betont sie. „Mein Wunsch ist, dass das Spektrum authentisch gezeigt wird, damit die Inklusion in der Gesellschaft gefördert wird.“

Begleitungsfilme, die den Alltag von Familien mit autistischen Kindern zeigen, könnten ihrer Meinung nach ein Ansatz sein, um Vorurteile abzubauen und die Akzeptanz und Integration zu fördern. Filmschaffende sowie Autorinnen und Autoren tragen demnach eine Verantwortung, authentische Geschichten zu erzählen. Es gehe eben nicht nur darum, die Stärken und Begabungen von Menschen im Spektrum zu zeigen, sondern auch darum, ihre realen Herausforderungen und Schwierigkeiten anzuerkennen und zu respektieren. Nur so könnten die Medien einen positiven Beitrag zur gesellschaftlichen Akzeptanz und Integration leisten.

Von Georg Krierer 


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Über den Autor/die Autorin:

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